Erstickte Schreie

Vor einigen Monaten wandte sich das allabendliche Gespräch mit einer wundervollen Freundin dem Thema Schmerz zu – Schmerz ganz am Ende des noch genießbaren Spektrums, Schmerz gepaart mit Zwang und Ausweglosigkeit und Schmerz, der im Sinne seiner Selbst ganz sicher nicht mehr genießbar sein würde. Es war ein aufregend-faszinierendes Gespräch und gipfelte in lieblich-grausame Gedanken darüber, wie man wohl jemanden dazu bringen könnte, sich selbst Kanülen in die Eichel zu pieksen. *zittert*

Schon allein daran zu denken, zu so etwas gezwungen zu werden, ließ mir den kalten Schweiß auf der Stirn stehen – aber um so aufregender war dieses Thema seit dem und ließ mich nicht mehr los. So präsent war es, wenn ich an Spielideen dachte, dass ich irgendwann so unvorsichtig war, es meiner Gespielin zu erzählen.

Wir switchen beide – wir haben voneinander die dunkelsten Ecken dieser wundervollen Leidenschaft gezeigt bekommen und einander auch in diese Dunkelheit entführt – und wir sind beide unglaublich neugierig. Fast keine Vorstellung – so unvernünftig oder abwegig sie Anfangs auch gemeint sein sollte, bleibt ein reines Gedankenkonstrukt: Die meisten unserer Ideen leben wir auf die ein oder andere Art aus.

Von daher hätte ich wissen sollen, dass es keine zu gute Idee ist, etwas auszusprechen, vor dem ich schon in Gedanken eine solche Angst hatte. Nun – ich tat es trotzdem.

Die wenige Freizeit, die ich hatte, verschaffte mir etwas Schonfrist. So ein Spiel konnte nicht irgendwo stattfinden. Es widersprach ein wenig unserem sonstigen Vorgehen, das darauf basierte, dass wir alles, was wir dem anderen antun, zumindest in einer Form schon einmal selbst erlebt haben sollten, dass wir Leid und Schmerz einschätzen können. Aber – das ist eher ein Zugeständnis, etwas, das wir oft so halten – keine starre Regel.

Die Zeit ging ins Land und mit ihr auch einige harmlosere Nadelspiele. Nadeln an sich sind ja wirklich toll – wir haben uns eingehend damit beschäftigt und der Schmerz, den sie auslösen, ist schon ein Besonderer. Ich finde es insbesondere interessant, wie er mit jedem weiteren Stich zunimmt. Als ich im Internet einmal Nahaufnahmen von Kanülenspitzen sah – frisch, nach dem ersten, zweiten und sechstem Stich durch haut (wobei der letztere sehr viel Ähnlichkeit mit einem Auto nach einem Crash-Test hatte) wurde dieses Gefühl sogar noch stärker – wusste ich ja jetzt, warum.

An einem Sonntag nach einer Spielenacht war es dann soweit. Es war helllichter Tag, und ich wurde von ihr gefangen und ganz liebevoll mit Seilen – mit ganz vielen Windungen, damit ich so viel ziehen konnte wie ich mag, nackt auf mein Himmelbett gefesselt. Meine Umgebung nahm ich durch einen Schleier aus Aufregung wahr, schon als wir nur das Zimmer betraten. Mein Herz schlug schneller, ich wusste nicht, worauf ich mich einstellen konnte und wie es sich anfühlen würde. Mit CBT hatte ich nun gar keine Erfahrungen, und direkt damit zu beginnen war vielleicht ein wenig unvernünftig aber… Unvernunft macht solchen Spaß! Uns beiden, glaube ich :)

Meine Gespielin war ganz liebevoll, sie kuschelte sich an mich und beruhigte mich etwas – vielleicht wollte sie auch, dass ich das nun folgende klarer und nicht schon mit von Adrenalin abgestumpften Sinnen erlebe – und es wirkte. Die Kälte des Desinfektionsmittels erschrak mich, und dann setzte sie sich neben mich und zeigte mir die Nadel – dicht vor meinen Augen.

Eine Kanüle aus der Apotheke – wie sie mir angekündigt hatte. Eine Apotheke, deren Auswahl immerzu variiert, die niemals alle Größen da hatte. Somit lag es nicht in Ihrer Hand, sagte sie unschuldig lächelnd, wenn der Durchmesser ein wenig größer war als angedacht. Natürlich. Unschuldiges Wesen.

Als sie sich hinab beugte und meine Vorhaut abermals zurückzog überkam mich die Angst. Meine Arme verkrampften sich – und nur die. Hatte ich doch Angst, mich mit einer Bewegung des Unterleibs selbst auf die Nadelspitze zuzubewegen. Ich kniff die Augen zu und bebte und – dann geschah eine gefühlte Ewigkeit nichts.

Ich erschrak furchtbar, als die Nadelspitze meine Eichel berührte. Ich glaubte aber trotzdem, nicht all zu sehr dabei zu zucken, doch als sie die Haut anritzte spürte ich jeden zehntel Millimeter als würde diese Nadel glühen. Der Schmerz war so scharf, so punktuell und doch so allgegenwärtig, dass ich laut schreien wollte (ich schreie sonst nie!) und gleichzeitig scharf die Luft einsog was in einem undefinierbaren Laut endete und – nun, da ich mir ganz sicher war, nun ein neues Piercing zu haben, ließ sie von mir ab und wandte sich mir lächelnd zu.

Der Schmerz wich zurück in vollkommen tolerierbare Bahnen – aber die Erinnerung brannte sich in meinen Kopf ein. Vor allem nachdem ich sah, wie winzig die klitzekleine Wunde war, die auch nur einen kleinen Tropfen Blut hergab, konnte ich mir nicht vorstellen, eine weitere Nadel – oder eine, die tiefer hinein und wieder herausgeht, bei Bewusstsein zu erleben.

Aber – was soll ich sagen? Ich mag Angst <3

4 Antworten zu “Erstickte Schreie”

  1. Manfred sagt:

    Naja.
    Wie wäre es mit einer Tätowierung auf der Eichel.
    DANN wird es erst interessant…

  2. Tristan sagt:

    Oh – hast du Erfahrungen damit? Ich denke, das wäre mir um Welten zu schmerzhaft – aber erzähl doch mal wie es sich anfühlt!

  3. Manfred sagt:

    Ja, habe ich.
    Es fühlt sich wie eine normale Tätowierung an, nur um Längen schmerzhafter.
    Es ist ohne eine Betäubungssalbe nicht auszuhalten.
    Und mit der Salbe geht es so gerade, wenn man versucht, sich nicht allzusehr auf den Schmerz zu konzentrieren.

  4. hans sagt:

    Nadeln und vor allem das nadeln der Eichel ist etwas absolut Geiles.
    Es macht Süchtig nach Wiederholung.

Hinterlasse eine Antwort